Geschrieben

  • am 24.01.2010
  • um 12:27 AM
  • von hoste

TFT als Selbstbau-Leuchttisch 3

Der TFT-Monitor – das Fenster zur Welt. Tag für Tag verrichtet er klaglos seinen Dienst, bis ihm Gevatter Hein (andere nennen ihn den “finsteren Sollbruchstellenmann”) gnadenlos den Stecker zieht. Aus dem treuen Gefährten wird über Nacht ein Fall für den Recyclinghof. Vielleicht aber auch nicht. Ein wenig Glück und Geschick vorausgesetzt, kann er seinen Lebensabend noch als Leuchttisch, Diabetrachter oder Durchlichtaufsatz beschließen.

Der Sichtteil eines TFT-Monitors besteht aus einer “Schichttorte” verschiedener Zutaten: Die “Hintergundbeleuchtung”, die seitlich von Leuchtstoffröhren erhellt wird, eine Reihe von Streulichtfolien, dem eigentlichen bildgebenden LCD und einer dicken Acrylglasplatte. (Ein Overhead-Projektor funktioniert prinzipiell ähnlich: Auch hier wird Licht durch eine Folie mit Inhalt geschickt.)

Bevor wir jedoch unser Operationsbesteck desinfizieren, müssen wir uns zuerst ein Bild von der Art des Defektes machen. Es sind nämlich nur solche Displays für unser Vorhaben geeignet, dessen Hintergrundbeleuchtung noch funktioniert! Dies setzt natürlich auch das Funktionieren des Netzteils und der Hochspannung voraus. Ein dunkler Raum eignet sich am Besten für den Test: Strahlt trotz fehlendem Bildinhalt der Hintergrund durch, steht unserem Plan nichts mehr im Wege.

Sie brauchen natürlich nicht ausdrücklich ein defektes Display. Unser Vorhaben glückt ebenso gut auch mit funktionstüchtigen TFT’s, die durch Kratzer, “Glasbruch”, Mura-Flecken und Pixelfehler gezeichnet sind sowie mit älteren Geräten, die unzeitgemäße Auflösungen und Diagonalen aufweisen.

Es gilt aber noch eine weitere Hürde zu nehmen: TFT-Displays haben die Angewohnheit, bei fehlender Signal-Ansteuerung durch einen Computer in weniger als einer Minute in den Standby-Modus zu wechseln und die Hochspannung abzuschalten. Diese im Normalbetrieb durchaus gewollte Funktion spart Strom, steht unserem Vorhaben aber im Wege. Aufgabenstellung ist also, zum Einen die LCD-Mattscheibe zu entfernen, um so die Hintergrundbeleuchtung freizulegen als auch der Hochspannung vorzugaukeln, es läge ein Videosignal an.

Unser Versuchsobjekt ist ein EIZO FlexScan S1921, der durch unsachgemäßen Transport einige irreparable Kratzer auf seiner LCD-Oberfläche abbekommen hat. Für den Betrieb am Computer-Arbeitsplatz nicht mehr geeignet, ist er für unser Vorhaben geradezu ideal. Nachdem wir den Fuß, die Rückwand und den Metallkäfig entfernt haben, bietet sich uns nebenstehendes Bild. Wir erkennen (v.l.n.r.) die Hochspannung, das Netzteil und die Videoplatine.

Das LCD entfernen

Als erstes lösen wir links die vier Stecker, welche die Hochspannung mit den Leuchtstoffröhren verbinden. Die Kabel sind farblich unterschiedlich und entsprechend auf der Platine bezeichnet (“blue” und “pink”), so das sie beim Zusammenbau wieder einfach identifiziert werden können. Danach ziehen wir einen breiten Stecker mit schwarzweißen, paarig verdrillten Kabeln, welche die Videoplatine mit der LCD-Ansteuerung verbinden. Zwei Schrauben jeweils rechts und links an den schmalen Seiten der Metallzarge öffnen den Käfig. Der hintere Teil kann einfach abgenommen werden, der vordere schmale Rahmen kann durch Heraushebeln mit einem Schlitzschrauberdreher entfernt werden.

Unter einer Folienabdeckung wird eine weitere Platine sichtbar, die nach Lösen von drei kleinen Schrauben abgehoben werden kann und mittels flexiblen Leiterbahnen direkt mit dem LCD-Display verbunden ist, das jetzt entfernt wird. Damit liegt der Blick auf die Hintergrundbeleuchtung frei. Der Käfig kann nun wieder soweit zusammengebaut werden, das noch der hintere Teil mit den Platinen zur weiteren Bearbeitung freiliegt.

Goodby Standby

Als nächstes gilt es, den Mechanismus ausfindig zu machen, der für den Standby-Betrieb zuständig ist und ihn gezielt auszuschalten. Drehen wir bei unserem Aspiranten die Netzteilplatine auf den Rücken, fällt auf, dass hier zwei Leiterbahnen elektrisch völlig unbehelligt ihre (Leiter)Bahnen von der Videoplatine zur Hochspannung ziehen. Eine Messung mit einem handelsüblichen Digital-Voltmeter bestätigt unsere Vermutung: Auf beiden Leitung liegt gegen Masse gemessen eine geringe Spannung (+3V und +3,6V), die für den Wechsel in den Standby-Modus auf Null abfallen und so die Hochspannung abschalten.

Während beim TFT von Fujitsu die Standby-Funktion einfach mit einem 1KΩ Widerstand zu überlisten ist, stellt sich die Situation beim EIZO FlexScan S1921 etwas komplizierter dar. Zwei Leitungen müssen definierte Spannungen führen, damit die Hochspannung aktiviert ist. Ich konstruierte einen Spannungteiler, bestehend aus einem Widerstand (1KΩ), einer Diode (1N4148) und einer Zenerdiode (3 Volt) und lötete sie auf die Unterseite des Netzteils wie in nebenstehendem Foto zu sehen. (Auf dem Foto besteht die 3 Volt-Zenerdiode abweichend aus einem Exemplar mit 2,4 Volt in Reihenschaltung mit in Flussrichtung vorgeschalteter Silizium-Diode 1N4148 – ich hatte das passende Bauteil nicht vorrätig ;-)

Leider funktionierte diese Lösung nicht auf Anhieb, da die Videoplatine nach Ablauf der Zeit trotzdem die Pegel auf Masse-Potential zog, ungeachtet meiner zusätzlichen Spannungsversorgung. Erst als ich das Flachbandkabel zur Videoplatine herauszog, erstrahlte das TFT dauerhaft. Diese Unterbrechung setzt jedoch auch das eingebaute Bedienerfeld ausser Funktion, so dass der TFT darüber nicht mehr ein- und ausgeschaltet werden kann. Dies muss nun ausserhalb des Monitors mit einem Schnurschalter o.Ä. bewerkstelligt werden. Damit erfüllt auch die Videoplatine nun keinerlei Funktion mehr und könnte entfernt werden.

Bleibt noch zu erwähnen, dass bei von unserem Beispielgerät abweichenden Modellen der Standby-Modus natürlich auf eine gänzlich andere Art realisert worden sein kann. Hier sind Messungen, Kreativität und natürlich entsprechendes Fachwissen gefragt. Sollte das Geheimnis bei dem Ihnen vorliegenden Modell nicht gelüftet werden können, besteht als Notlösung natürlich immer noch die Möglichkeit, den Monitor mit einem Rechner anzusteuern, um mit einem anliegenden Videosignal dem Wechsel in den Ruhezustand entgegenzuwirken.

Zu guter Letzt noch ein wichtiger Hinweis: Das Öffnen eines TFT-Monitors erfolgt auf eigene Gefahr und setzt entsprechende Fachkenntnis voraus! Im Gerät befindet sich ein Schaltnetztteil, welches teilweise direkt am Stromnetz hängt und auch nach dem Ausschalten durch einen Elko gepuffert noch eine für Menschen empfindlich hohe und entsprechend lebensgefährliche Ladung trägt.

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Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Muesliesser sagt:

    Suche gerade nach einem Dia Viewer und bin auf Deine Seite geraten. Super Idee danke.

  2. Servus!

    Beim Stöbern nach Bauanleitungen bzw Ideen für einen Eigenbau-Fototisch bin ich auf Deinen Blog gestoßen. Super Idee, die ich für die Hintergrundbeleuchtung bzw für die Reproduktion von großformatigen Negativen umsetzen kann.
    Danke und liebe Grüße aus Oberösterreich!

    Gernot

  3. der kaffeekocher sagt:

    vasteh ich alles nich. is aber bestimmt ne tolle sache.

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